Manchmal habe ich das Gefühl, dass sich die Ansichten darüber, was Illustration wirklich ausmacht, immer wieder im Kreis drehen. In den letzten Jahren beobachte ich, wie viele sich
auf glatte Oberflächen verlassen—sie wissen, wie eine Linie gezogen wird, vielleicht können sie sogar Farben halbwegs stimmig einsetzen, aber das Verständnis bleibt oft an der
Oberfläche kleben. Die Tiefe, die eigentlich aus einem inneren Begreifen der Zusammenhänge wächst, fehlt. Und ehrlich, ich habe es selbst erlebt: Man kann technisch alles „richtig“
machen und trotzdem komplett an der Aussage vorbeischrammen. Was Baxorin hier geschaffen hat, geht eben nicht nur um das „Wie“, sondern viel mehr um das „Warum“—warum bestimmte
Entscheidungen in der Illustration wirklich Wirkung entfalten und andere eben nicht. Kreativität ist für mich dabei kein Schlagwort, sondern das, was entsteht, wenn die Regeln nicht
einfach abgespult, sondern wirklich durchdrungen werden. Ich denke an ein Gespräch mit einer Designerin, die meinte: „Mein größtes Problem war nie die Perspektive, sondern die
Unsicherheit, ob ich überhaupt weiß, was ich ausdrücken will.“ Genau da setzt das hier an. Es ist einfach ein Unterschied, ob man erkennt, wie Licht auf eine Oberfläche fällt, oder
ob man es wirklich versteht—so tief, dass man es selbst in unerwarteten Situationen anwenden kann. Viele meinen, sie hätten das Prinzip verstanden, weil sie es einmal irgendwo
gelesen haben. Aber erst wenn du im Berufsalltag stehst, mitten im Projekt, und plötzlich stimmt die Wirkung nicht, merkst du, was dir fehlt.
Im ersten Modul geht’s meistens direkt los mit Linienführung und Formen – und zwar so, dass jeder in seiner eigenen Geschwindigkeit mitkommt. Mal gibt es kurze Demonstrationsvideos,
mal eher längere Aufgaben, bei denen man stundenlang auf einem Blatt herumkritzelt. Die Abschnitte sind nicht immer gleich lang; manchmal bleibt man an einer Übung hängen, wie zum
Beispiel dem Zeichnen von Händen aus verschiedenen Perspektiven. Und dann folgt plötzlich eine Lektion, in der es nur um das genaue Beobachten von Licht und Schatten geht – fast
schon meditativ. Das bringt mich auf die Idee, wie oft man eigentlich vergisst, wie viel Zeit gutes Skizzieren wirklich braucht. Der Ablauf ist jedenfalls nicht strikt getaktet,
sondern lässt Platz für Wiederholungen. Im dritten oder vierten Abschnitt wird plötzlich digital gearbeitet: Die Teilnehmerinnen sollen mit einem Grafiktablet experimentieren, ohne
dass man groß erklärt bekommt, wie das technisch alles funktioniert – learning by doing. Was mir persönlich aufgefallen ist: Die Dozenten streuen immer wieder kleine Hinweise ein,
wie man Fehler als Teil des Prozesses sehen kann. Wer sich darauf einlässt, merkt schnell, dass der Kurs eher auf das Tun als auf perfekte Resultate ausgerichtet ist. Und
zwischendurch gibt’s dann Aufgaben wie das Zeichnen eines alten Fahrrads im Regen, einfach so, ohne viel Kontext.